Welpe im Auto: So startest du richtig von Anfang an

Welpe im Auto: So startest du richtig von Anfang an | Alexa & die Hunde
Die ersten Erfahrungen, die ein Welpe im Auto macht, bleiben. Was sich früh als angenehm einprägt, bleibt angenehm. Was Unbehagen auslöst, kann sich festsetzen – manchmal fürs ganze Leben. Es lohnt sich also, von Anfang an bewusst vorzugehen.

Warum die ersten Fahrten so wichtig sind

Welpen befinden sich in den ersten Lebenswochen in einer Phase, in der sie besonders offen für neue Eindrücke sind. Was sie in dieser Zeit als normal und sicher kennenlernen, nehmen sie später leichter an. Was sie in dieser Zeit als bedrohlich oder unangenehm erleben, kann sich tief einprägen.

Das gilt auch für das Auto. Ein Welpe, der seine ersten Fahrten als entspannt und unkompliziert erlebt, baut von Anfang an eine positive Beziehung zum Auto auf. Ein Welpe, der schon beim ersten Mal Stress, Übelkeit oder Angst erlebt, lernt: das Auto ist unangenehm. Und dieses Muster lässt sich später schwerer verändern, als wenn man es gar nicht erst entstehen lässt.

Dazu kommt: Viele Welpen sind anfangs anfällig für Reiseübelkeit, weil ihr Gleichgewichtssinn sich noch entwickelt. Das ist normal und bessert sich bei den meisten mit der Zeit. Trotzdem ist es wichtig, diese ersten Fahrten so angenehm wie möglich zu gestalten – damit Übelkeit nicht mit dem Auto als solchem verknüpft wird.

Idealerweise fängt die Autogewöhnung bereits beim Züchter an. Kurze Fahrten mit den Welpen gehören bei seriöser Aufzucht dazu – so kommen die Welpen schon mit ersten positiven Erfahrungen zu dir. Es lohnt sich, beim Kauf gezielt nachzufragen, ob das gemacht wird und wie die Welpen bisher auf das Auto reagiert haben.

Die erste Fahrt lässt sich nicht immer vermeiden

Im Idealfall hat dein Welpe beim Züchter bereits erste Fahrten erlebt – kurze, ruhige, positive. Die Fahrt zu dir nach Hause ist dann nicht die allererste, sondern die erste längere Fahrt mit dir. Das ist ein grosser Unterschied.

In der Realität sieht es aber oft anders aus: Die Fahrt vom Züchter oder aus dem Tierheim ist für viele Welpen tatsächlich das erste Mal überhaupt im Auto – und gleichzeitig eine lange Strecke, ein fremdes Umfeld und eine aufwühlende Situation. Das lässt sich nicht immer vermeiden. Aber es lässt sich gut gestalten.

Am wichtigsten: Sei für deinen Hund da. Körperkontakt hilft vielen Welpen in dieser Situation – jemand, der ruhig danebensitzt, kann eine grosse Stütze sein. Nicht reden, nicht beruhigen, einfach präsent und ruhig sein. Auch wenn es verlockend ist, den Welpen sofort in eine Box zu setzen und loszufahren: Gib ihm zuerst die Chance, dich kennenzulernen und ein wenig anzukommen.

Wenn die Strecke länger ist, plane Pausen ein. Kurz anhalten, aussteigen, frische Luft – das gibt dem Welpen die Möglichkeit, sich zu erholen und durchzuatmen. Eine lange erste Fahrt am Stück ist für die meisten Welpen zu viel auf einmal.

Und wenn der Welpe erbricht oder sichtlich Stress zeigt: Das ist keine Katastrophe. Es ist ein Hinweis, dass du in den nächsten Wochen bewusst an positiven Erfahrungen mit dem Auto arbeitest – damit sich aus diesem schwierigen Start kein bleibendes Muster entwickelt.

Wie du deinen Welpen an das Auto gewöhnst

Du musst nicht warten, bis dein Welpe das erste Mal mit muss. Im Gegenteil: Je früher du anfängst, desto einfacher ist es.

1
Zuerst das Auto als Ort kennenlernen

Bevor du überhaupt fährst, lass deinen Welpen das geparkste Auto in Ruhe erkunden. Türen auf, Welpe kann rein und raus wie er möchte, du bleibst dabei entspannt. Kein Druck, keine Hektik. Das Auto soll zunächst einfach ein normaler Ort sein – nichts, das passiert, wenn man drin ist.

2
Motor anlassen – ohne zu fahren

Wenn dein Welpe entspannt im oder am Auto ist, kannst du den Motor anlassen. Einfach laufen lassen, nichts weiter. Für viele Welpen ist das Motorengeräusch zunächst ungewohnt – hier lohnt es sich, langsam vorzugehen und zu schauen, wie dein Welpe reagiert.

3
Erste kurze Fahrten

Die allererste Fahrt sollte wirklich kurz sein – ein paar Minuten reichen. Nicht zum Tierarzt, nicht auf die Autobahn. Am besten an einen Ort, der dem Welpen gefällt: eine bekannte Wiese, ein kurzer Spaziergang. Das Auto führt zu etwas Schönem – das ist die Botschaft, die zählt.

4
Schritt für Schritt steigern

Von kurzen Fahrten zu etwas längeren – aber immer in dem Tempo, das dein Welpe dir zeigt. Liegt er entspannt? Schaut er neugierig aus dem Fenster? Dann läuft es gut. Hechelt er stark, sabbert oder wirkt er unruhig? Dann war es genug für heute.

Wichtig beim Thema Übelkeit

Wenn dein Welpe im Auto erbricht oder stark sabberte, fahr ihn nüchtern – mindestens zwei bis drei Stunden ohne Futter vor der Fahrt. Das hilft in vielen Fällen. Leckerlis und kleine Snacks zwischendurch sind aber in Ordnung.

Bessert sich die Übelkeit trotz kurzen Fahrten und nüchternem Magen nicht, lohnt sich ein kurzer Tierarztbesuch – in seltenen Fällen steckt eine körperliche Ursache dahinter.

Was du lieber lassen solltest

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Diese Fehler passieren häufig – und können den Start unnötig erschweren.

  • Die erste Fahrt ist direkt die Fahrt zum Tierarzt – das verbindet das Auto von Anfang an mit einer unangenehmen Erfahrung. Wenn möglich, vorher ein paar neutrale Fahrten einbauen
  • Zu lange Fahrten zu früh – lieber öfter und kürzer als selten und lang
  • Den Welpen in eine Box stecken, die er noch gar nicht kennt, und direkt losfahren – Sicherung und Auto sollten getrennt voneinander eingeführt werden
  • Den Welpen beruhigen oder auf ihn einreden, wenn er unruhig ist – besser ruhig bleiben und beiläufig fahren
  • Warten bis der Welpe «gross genug» ist – der beste Zeitpunkt ist so früh wie möglich

Was, wenn es trotzdem nicht klappt?

Manche Welpen tun sich schwerer als andere. Das ist kein Zeichen, dass etwas falsch läuft – Hunde sind unterschiedlich. Manche brauchen einfach mehr Zeit und kleinere Schritte.

Wichtig zu wissen: Probleme tauchen nicht immer von Anfang an auf. Manche Hunde fahren als Welpen problemlos mit – und zeigen erst in der Pubertät plötzlich Stress oder Unruhe im Auto. Das liegt daran, dass das Gehirn in dieser Phase einen grossen Umbau durchmacht. Verhaltensveränderungen, die sich in der Pubertät zeigen, sind deshalb keine Rückschritte, sondern ganz normal. Trotzdem lohnt es sich, genau hinzuschauen und frühzeitig gegenzusteuern – damit sich ein neues Muster nicht unbemerkt festsetzt.

Wenn dein Hund – egal in welchem Alter – beginnt, im Auto zunehmend gestresst zu wirken, ist das der richtige Moment um aktiv zu werden. Je früher man hinschaut, desto leichter lässt sich etwas verändern.

Aus meiner eigenen Erfahrung
«Viele Halterinnen und Halter kommen zu mir, wenn ihr Hund schon Jahre lang Probleme im Auto hat. Fast immer stellt sich heraus: Irgendwo am Anfang gab es eine Erfahrung, die nicht aufgearbeitet wurde – oder die Probleme haben sich schleichend in der Pubertät entwickelt, ohne dass jemand frühzeitig hingeschaut hat. Mit einem Welpen hast du die Chance, bewusst vorzugehen und beide Phasen im Blick zu behalten.»

Dein Welpe zeigt bereits bei kurzen Fahrten Stress – oder du möchtest von Anfang an sichergehen, dass das Autofahren für euch beide unkompliziert bleibt? Im Online-Programm «Autofahren mit Hund» begleite ich dich durch den Aufbau – Schritt für Schritt, von zuhause aus, egal wo in der Schweiz du wohnst.

Zum Programm «Autofahren mit Hund»

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann ich meinen Welpen ins Auto nehmen?

So früh wie möglich – schon beim Züchter sollte das Thema anfangen. Wenn du deinen Welpen abholst, ist das idealer Weise nicht die erste Fahrt seines Lebens, sondern die erste längere mit dir. Ab Ankunft zuhause gilt: lieber öfter und kurz als selten und lang, und das Auto von Anfang an mit schönen Dingen verknüpfen.

Mein Welpe erbricht bei jeder Fahrt. Was soll ich tun?

Fahrten kürzer machen, nüchtern fahren und schauen, ob es sich bessert. Wenn nicht, hilft ein Tierarztbesuch, um körperliche Ursachen auszuschliessen. Gleichzeitig lohnt es sich, parallel an der positiven Verknüpfung mit dem Auto zu arbeiten – damit Übelkeit nicht zum Dauerthema wird.

Muss ich meinen Welpen im Auto sichern?

Ja – auch Welpen müssen im Auto gesichert sein. Wie das am besten geht, hängt von Grösse und Temperament ab. Wichtig ist, dass die Sicherung dem Welpen passt und er sie in Ruhe kennenlernen kann, bevor sie im Auto eingesetzt wird.

Wie lange soll die erste Fahrt sein?

Wirklich kurz – fünf bis zehn Minuten reichen für den Anfang. Es geht nicht darum, viel zu fahren, sondern darum, eine gute erste Erfahrung zu schaffen. Danach kann man langsam steigern.

Was mache ich, wenn mein Welpe in der Box weint?

Wenn du eine Box verwenden möchtest, lohnt es sich, sie zuerst zuhause einzuführen – bevor sie im Auto zum Einsatz kommt. Lass deinen Welpen die Box in Ruhe entdecken, lass ihn freiwillig rein und raus gehen, und verknüpfe sie mit etwas Positivem. Wenn die Box ein vertrauter Ort ist, ist die Akzeptanz im Auto deutlich höher. Bei der Abholfahrt selbst gilt: Körperkontakt kann in dieser aufwühlenden Situation mehr helfen als eine Box, die der Welpe noch gar nicht kennt.


A
Alexa Schels
Hundetrainerin in der Zentralschweiz und Inhaberin von Alexa & die Hunde. Spezialisiert auf Einzeltraining für Erziehung und Herausforderungen im Alltag. Ihr Online-Programm «Autofahren mit Hund» begleitet Hundehalter:innen schweizweit – entstanden aus ihrer eigenen Erfahrung mit Colliehündin Smila.
Zurück
Zurück

Autofahren mit Hund im Sommer: Hitze, Pausen, Sicherheit

Weiter
Weiter

Hund im Auto sichern: Was in der Schweiz gilt